Page 47 - Pan Januar 2020
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GRENZENLOSE
VETERINÄRMEDIZIN
Sind Sie gut ins Neue Jahr gekommen? Aus meiner Sicht ist auch das letzte Jahr so schnell vergangen und nun darf ich im Juni 2020 auf ein 24-jähriges Berufsleben zurückblicken. Der ein oder andere von Ihnen weiß, dass ich als gebürtige Rhederin meine berufliche Lauf- bahn in Berlin begonnen habe. Denke ich an meine ersten Berufs- jahre zurück, dann sehe ich einen enormen Wandel in der Veterinär- medizin. Inzwischen ist der Einsatz fast aller Behandlungsverfahren, die in der Humanmedizin üblich sind, auch auf dem Kleintiersektor möglich. Ob eine therapeutische Maßnahme jedoch sinnvoll und ethisch vertretbar ist, das muss von Fall zu Fall entschieden werden.
gute Zeit an Ihrer Seite zu ermöglichen. Die zentrale Fragestellung sollte bei jeder The- rapieplanung lauten: Kann der vierbeinige Patient während und nach dem Eingriff eine beschwerdefreie Zeit weiterleben? Um die- se Entscheidung zu treffen, ist eine Konsul- tation Ihrer Tierärztin oder Ihres Tierarztes sinnvoll, um mit Hilfe des kompetenten Ra- tes die Vor- und Nachteile einer Heilungs- methode abzuwägen. Zielsetzung muss bei jeder Therapieplanung sein, dass der tieri- sche Patient nicht leiden darf.
Aus verständlichen Gründen steht nicht nur die Frage nach dem Wohl für das Tier im Vordergrund. Auch der Aspekt des finanzi- ellen Aufwandes muss bedacht werden. Wir alle wissen, dass die neuen Methoden der Medizin inklusive des apparativen Aufwan- des zur erheblichen finanziellen Belastung führen kann. Der Gesetzgeber vertritt in- zwischen die Meinung, dass jeder Tierhalter sich darüber im Klaren sein muss, dass die Tierhaltung auch auf dem Bereich der Tier- medizin mit hohen finanziellen Aufwendun- gen einhergehen kann. Daher ist die Eutha- nasie aus nur finanziellen Gründen in der Heim- und Kleintiermedizin auch gesetzlich nicht mehr vertretbar. Diese Lücke wird al- lerdings verlässlich durch verschiedene An- bieter von Tierkrankenversicherungen ge- schlossen und es lohnt, sich diesbezüglich bei der Anschaffung eines Vierbeiners damit auseinanderzusetzen.
Ihnen und Ihren Vierbeinern wünsche ich einen gesunden Start ins Jahr 2020 und ver- bleibe mit der Aussicht auf weitere informa- tive Artikel aus der Veterinärmedizin - im Februar zum „Streitpunkt vegetarische Er- nährung bei Hund und Katze“
Dr. Simone Möllenbeck
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 Herzschrittmacher, Gliedmaßen-Prothe- sen, künstliche Hüftgelenke und komplexe Krebstherapien sind nur einige Beispiele für die inzwischen grenzenlosen Möglichkei- ten in der Veterinärmedizin. Erläutere ich in meiner Sprechstunde weitere Behand- lungsoptionen in diversen Spezialkliniken, dann stoße ich von Fall zu Fall auf unter- schiedliche Reaktionen. Zwischen Optimis- mus und Ablehnung ist jede Einstellung des Patientenbesitzers denkbar. Die Beratung in der Sprechstunde war früher deutlich ein- geschränkter, weil die moderne Tiermedizin noch in den Kinderschuhen steckte. Heute sind viele Patienten heilbar, die in den 90er Jahren schmerzlos erlöst werden mussten. Aufgabe der Tierärztin oder des Tierarztes ist es, über die Sinnhaftigkeit einer Hei- lungsmethode aufzuklären und Ihnen die Grundlagen zur Entscheidungsfindung zu vermitteln.
Mich persönlich faszinieren besonders die neuen Therapiemöglichkeiten in der Or- thopädie, die ich hier anhand von mehreren Beispielen aufzeigen möchte: Inzwischen gehören Bandscheibenprobleme nicht nur beim Dackel zu den häufig gestellten Dia- gnosen bei lahmenden Tieren. Gut, dass es inzwischen analog zur Humanmedizin Operationsverfahren gibt, die den rücken- schmerzgeplagten Patienten helfen kön-
nen. Die Hüftgelenksdysplasie (HD) ist auch eine oft gestellte Diagnose. Früher musste bei den diversen Therapieoptionen mit Teil- erfolgen gerechnet werden. Heute ist sogar der Einsatz künstlicher Hüftgelenke mög- lich. Ein anderes Beispiel ist die Amputa- tion einzelner Gliedmaßen aufgrund einer Krebserkrankung oder nach einem hoch- traumatischen Ereigniss. Noch vor wenigen Jahren wurde vor einer Operation erwogen, ob sich der eventuelle „Dreibeiner“ über- haupt noch unproblematisch fortbewegen könnte. Denn die Dreibeinigkeit ist gerade für schwere Rassen eine große Herausfor- derung, da andere Gelenke übermäßig be- lastet werden. Heute kann noch vor einer Amputation ein Orthopädietechniker hin- zugezogen werden, um die anatomische Si- tuation während der Operation so zu gestal- ten, dass nach Abheilung der Einsatz einer Prothese möglich ist. Die orthopädischen Fälle haben also eine große Chance auf ein beschwerdefreies Leben.
Die Entscheidungsfindung bezüglich einer Maßnahme bei schwer kranken oder sehr alten Patienten ist demgegenüber oft sehr schwierig, da mit zunehmendem Alter und Schwere des Leidens die Möglichkeiten ei- nes qualitativ guten Lebens sinken. Nichts- destotrotz können auch palliative Therapien genutzt werden, um Bello und Mietze eine
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