Page 41 - Pan Januar 2020
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                 wohnheiten neu geregelt werden. Das sind vordergründig pragmatische Fragen wie: Wer sorgt jetzt für die Ernährung? Wer regelt die Bankgeschäfte? Es sind aber auch emotionale Krisen, sowohl für den pflegebedürftigen Menschen wie für seinen Partner oder seine Partnerin.
Gerade im Alter sei es schwer, Partner- schaft zu überdenken und den Anforde- rungen entsprechend neu zu gestalten, hieß es. „Ich bin eine lebendige Witwe“, so hatte die Mutter von Prof. Vogt ihre Situa- tion in den neunziger Jahren beschrieben, als ihr Ehemann demenziell erkrankte. Sie konnte sich vom Gefühl der Alleinzustän- digkeit nicht befreien.
Das aber ist notwendig, wenn keiner der Partner sich in einer Pflegesituation er- drückt fühlen soll. Solange es möglich ist, müsse die partnerschaftliche Kommuni- kation aufrecht erhalten werden und auch nicht vor den Tabuthemen Sterben, Tod, Sehnsüchte und Bedürfnisse zurückschre- cken. Prof. Vogt sieht die Notwendigkeit einer "Lebensrevision der Partner", wie er es nennt. Gemeint ist, sowohl zurück wie auch in die Zukunft zu schauen. So lassen
sich Möglichkeiten finden, das zu gestal- ten, was noch möglich ist. Vogt: "Dazu ge- hört Ehrlichkeit und die Fähigkeit, auch widerstrebende Gefühle zuzulassen."
Mittlerweile gibt es ein breites Beratungs- und Betreuungssystem für Angehörige. Das sollte eingebunden werden in den Aufbau eines sozialen Unterstützungs- systems für den Pflegebedürftigen. Das ist keine Lieblosigkeit des Pflegenden, son- dern dringend notwendig, soll das eigene Leben auch wirklich ein eigenes bleiben.
MitHumorundLeichtigkeitgingesnach der Pause weiter. Jennifer Pahlke ist Do- zentin für Kommunikation und Entspan- nung. Und sie macht eine Ausbildung zum "Krankenhaus-Clown". Ihr Ziel war es, die Zuhörer auf die „Bahn der Leich- tigkeit“ zu bringen. Denn die braucht es oft, wenn in der Intimität der Pflege- handlung Abwehr, Angst und Scham die Situation erschweren.
Lächeln und Augenkontakt können da schon Wunder wirken. Wunder aber brauchen Training. Das Lächeln zaubert sich nicht in jeder Situation von selbst in Mundwinkel und Augen. Aber man kann es lernen. Den Beweis trat Jennifer Pahl- ke an, indem sie die Zuhörer zu etlichen Partnerübungen animierte und so für gute Laune und befreiendes Lachen sorgte. „Humor ist der Knopf, der verhindert, dass einem der Kragen platzt“, sagte schon der Schriftsteller Joachim Ringelnatz.
Die Bereitschaft und Fähigkeit, auf gewis- se Dinge im Leben heiter und gelassen zu
reagieren, ist bei jedem Menschen unter- schiedlich ausgeprägt, aber sie können auch vorsätzlich angestrebt und eingeübt werden. Und zwar nicht allein im Hinblick auf den Umgang mit anderen, sondern auch mit sich selbst. Auch das eigene Spiegelbild möchteeinLächelnsehen,soPahlke.
Nach viel Nachdenkenswertem und einer humorigen Trainingsphase konnten sich Zuhörer bei Sabine Kamps heiter entspan- nen. Als Clown "Luna" animierte sie das Publikum zum Mitmachen. Bereitwillig wurde gesungen und geschunkelt.
Weitere Informationen zum Vortrag von Prof. Dr. Michael Vogt unter www.partnerschaft-alter.de .
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     Vital

















































































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