Page 38 - Pan Januar 2020
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Kitchen-Stories - PART II
„PLÄDOYER FÜR DIE METZGER“
FOTOS: KIRSTEN BUß
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  Meine Kochleidenschaft wurde beglei- tet und beflügelt unter anderem durch Alfred Biolek. Neben seiner Kultivierung des Küchenweins (dem Thema werden wir im Laufe dieser Kolumne einen extra Ar- tikel widmen) war in jeder Folge die Rede vom: „Metzger meines Vertrauens.“ Das war die sympathisch-penetrante Wertschät- zung für einen höchst ehrbaren Beruf, für ein Handwerk, dass aus unserem Focus zu verschwinden scheint. Warum?
Weil wir durch diese unsägliche „Geiz-ist- Geil-Ära“ so verpeilt wurden, dass unser Anstand gegenüber Tier und Mensch (den Fleischern in diesem Fall) verwässert wurde. Auch wir schoben unseren Einkaufswagen durch die Discounter und gaben scheib- chenweise die Treue zu unseren Metzgern des Vertrauens auf. Den Menschen, die uns als Kinder mit „Ne Scheibe Wurst für den Kleinen?“ empfangen haben, drehten wir den Rücken zu, weil es uns so einfach ge- macht wurde, beim Discounter nunmehr neben den Dingen des täglichen Gebrauchs auch Frischfleisch abzusortieren.
Lasst uns mal gemeinsam erinnern, wie diese Discounter entstanden sind? Was deren Beitrag an unserer Ernährungskette war? Das waren Palettenlager mit „Bunker- Ware“ - extrem haltbaren Dingen, ob in Konserven, Beuteln, Tuben etc. Und was ist daraus geworden? - Dank unseres Mittuns?
Zu der angesprochenen Bequemlichkeit ge- sellte sich diese erwähnte, hirnschädigende Mentalitätsveränderung „Geiz ist Geil“. Die- ser durch die Werbeagentur Jung von Matt für Saturn entwickelte Slogan hat irrepara- blen Schaden in unseren Hirnwindungen, in unserer Gesellschaft hinterlassen. Aus- wirkungen, an denen wir bis heute kranken.
 Diese Zeilen sind Teil unserer Kolumne „Kitchen-Stories.“ Wir docken damit an den einleitenden Artikel im Dezember- PAN an, den ihr an dieser Stelle abrufen könnt: „Koche nichts, worüber du keine Geschichte erzählen kannst.“
Wir hatten angekündigt, mit Tiefgang und Anstand in dieses Thema einzusteigen, also rein in die Zeilen. Wir legen mal mit einem extrem ehrlichen Statement los, wir sind ja quasi unter uns: Wir selbst sind extrem genussfreudig unterwegs. Aber, ein großes ABER, auch wir haben uns einlullen lassen. Wovon? Das will ich euch schreiben:
Claudia Buchow von der Metzgerei Buchow in Bocholt
 Lebensart























































































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