Page 43 - PAN Dezember 2019
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 „Mama und ich backen nächste Woche auch Plätzchen. Kommst du dann auch zum Helfen?“ Oma überlegte kurz und sagte dann: “Ich kann es dir nicht verspre- chen Pia, du weißt ja, dass ich auch noch arbeiten muss. Mutti soll mich anrufen, wenn sie weiß wann sie backen möchte. Ich versuche dann zu euch zu kommen.“ Sie packten Pias Sachen und die Plätz- chendose ein und machten sich auf den Weg zur Bushaltestelle. Von da aus fuh- ren sie mit dem Bus, so wie sie es immer machten. Oma hat eine Dauerfahrkarte, weil sie mit dem Bus auch immer zur Ar- beit fährt. Und Pia muss noch nicht bezah- len, weil sie ja erst fünf Jahre alt ist. Der Busfahrer begrüßt die beiden. „Und jetzt geht’s wieder heimwärts?“ lacht er Pia an. „Ja, jetzt fahren wir heim, mit unseren Rentieren“ sagt Pia, zieht die Plätzchen- dose aus der Tasche, öffnet sie und hält sie stolz dem Busfahrer hin. „Du darfst auch eines nehmen“ lächelt sie. „Na das sind ja tolle Plätzchen. Solche hab ich ja noch nie gesehen. Ich nehme dann eines mit einer roten Nase.“ Der Busfahrer bedankte sich und als Pia und Oma Platz genommen hat- ten, fuhr der Bus los.
Als Pias Opa vor zwei Jahren gestorben war, musste Oma sich eine Arbeit suchen, weil die Rente so knapp war. Sie konnte bei einem reichen Mann als Haushälterin anfangen. Der Mann hatte eine Firma und viele Angestellte. Und er war froh dass die Oma ihm jetzt im Haushalt hilft. Pia hat- te schon oft gehört, dass es Oma dort gut gefällt. Wenn sie von ihrer Arbeit erzählt, lächelt sie fast immer.
Mutti holte Pia ein paar Tage später vom Kindergarten ab und sagte, sie hätte schon einige Teige fertig gemacht und in den Kühlschrank gelegt, wo sie noch ruhen müssten. Nach dem Mittagessen könnten sie dann den ersten Teig ausrollen. „Hast du Oma angerufen?“ wollte Pia wissen. „Oh nein, das hab ich jetzt ganz vergessen. Das machen wir gleich, wenn wir zuhau- se sind.“ „Omaaa, kommst du gleich her, wir wollen heute backen“, rief Pia aufge- regt in den Telefonhörer. Es dauerte einen Moment, bis Oma antwortete:“ Oh nein
Schatz, ausgerechnet heute geht es nicht. Mein Chef hat mich gebeten, ihm das Wohnzimmer für Weihnachten zu schmü- cken. Da habe ich viel zu tun.“ Pia war enttäuscht. „Aber ich wollte heute ganz tolle Herzplätzchen machen, mit rotem Zuckerguss und silbernen Perlen drauf.“ „ Das schafft ihr bestimmt auch ohne mich. Die Mama hilft dir doch. Und wenn es die Zeit zulässt, hole ich dich in den nächsten Tagen noch mal ab zum Backen. Wenn deine Plätzchen fertig sind, musst du un- bedingt welche für mich aufheben. Nicht, das ihr sie alle alleine esst.“ Oma lachte. „ Oh ja, ich suche für dich die schönsten aus und bring sie dir“, antwortete Pia.
Mama hatte den Küchentisch abgeräumt und den Teig schön dünn ausgerollt. Pia kramte in ihrer Förmchentüte und holte das Herzchen heraus. Fleißig drückte sie eines nach dem anderen in den Teig. Mut- ti legte sie behutsam auf das Backblech, bis es voller Herzen war. Dann wurden sie gebacken. Pia saß vor dem Backofen und passte auf, dass die Plätzchen nicht zu dunkel wurden. Als sie fertig und aus- gekühlt waren, stellte Mutti eine Schüs- sel mit roter Glasur und einem Pinsel auf den Tisch. „So, Pia, jetzt zeig mal was du kannst.“ Voller Eifer strich Pia den Guss auf die Herzen. Und dann kamen die sil- bernen Perlen darauf. Jedes Plätzchen war ein kleines Kunstwerk. Mutti staunte nicht schlecht als sie sah, wie kreativ die kleine Pia war. Nun musste der Guss nur noch einen Moment trocknen. Mutti begann, die Küche aufzuräumen. Dann stellte sie Pia zwei Plätzchendosen hin. Eine große und eine kleine. „In die große kannst du gleich unsere Plätzchen legen und in die kleine packst du dann welche für die Oma.“
Pia betrachtete jedes einzelne Plätzchen und entschied dann, ob es schön genug für Oma war. Dann sagte Mutti, dass sie duschen gehen wollte. Und Pia fiel ein, das sie Oma versprochen hatte, ihr die Plätz- chen zu bringen. Sie wusste ja, wie sie mit dem Bus zur Oma kommt. Also zog sie sich die Jacke an, nahm die Plätzchendose und rief durch den Hausflur: „ Ich bring Oma die Plätzchen.“
 



























































































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